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Zum 80igsten Geburtstag von unserem eisernen Karl

Nie in Pension gegangen

Der legendäre Skitrainer Karl Frehsner wird 80 Jahre alt – der alpine Rennsport ist noch immer seine Welt

Stefan Oswalt

Nein, es werde kein Fest geben, sagt Karl Frehsner und ist sich sicher, auch gegen Überraschungspartys vorgesorgt zu haben. «Warum auch feiern?», fragt er suggestiv. «Ich werde einfach wieder einen Tag älter sein.» Die Trainerlegende wird am 13. Juni 80-jährig.

Nur einen Geburtstag habe er gefeiert, sagt er, «den 65., weil ich da pensioniert wurde». An seiner Miene ist nicht abzulesen, ob er sich da einen Scherz erlaubt hat, aber eines ist der Österreicher ganz sicher nie: in Pension gegangen. Einen Termin für ein Gespräch mit ihm zu finden, ist alles andere als einfach. Eben erst kehrte er aus Japan ­zurück, davor war er in Kroatien gewesen, und ein Referat der Abfahrts-Olympiasiegerin Dominique Gisin versprach so interessant zu werden, dass er sich das keineswegs entgehen lassen wollte. Frehsner saugt noch immer alles auf, was seinen Horizont zu erweitern verspricht.

«Eiserner Karl»

Als «eiserner Karl» war er mehr als 20 Jahre eine prägende Figur im alpinen Ski-Weltcup. «Die sollen schnell den Berg runterfahren – für alles andere sorge ich schon», pflegte er zu sagen. Unter ihm habe eine «Demokratur» geherrscht, «das braucht es zum Erfolg», sagt er heute noch.

Er war einer der ersten im Skizirkus, die einen Computer verwendeten und alle Daten von Trainings und Rennen speicherten. Wenn einer wegen Selektionen reklamierte, hielt er ihm den Computer unter die Nase. Heute differenziert er seinen harten Führungsstil: «Du musst individuell das Optimum aus jedem herausholen», sagt er.

Ohne in den Statistiken zu wühlen: Frehsner ist der erfolgreichste Skitrainer der Geschichte, weil er es verstand, seine Aktiven am Tag X in Bestform an den Start zu schicken. 1987 belegte das Schweizer Männerteam die ersten vier Plätze in der WM-Abfahrt von Crans-Montana, 1999 gelang dieses Kunststück den österreichischen Abfahrerinnen. Der Trainer beider Teams: Karl Frehsner. «Meine sportlich wertvollsten Leistungen», sagt er, ohne zu zögern – aber erst hinter einem Ereignis abseits der Skipisten: 1961 erklomm er die Eigernordwand.

Alle Ereignisse sind «typisch Frehsner». Du kannst viel erreichen, wenn du es willst: ein Motto, das die Karriere des in einfachen Verhältnissen aufgewachsenen Oberösterreichers prägte, der seit 1968 mit seiner Frau Rosmarie in derselben Wohnung in Dietikon lebt, aber nie Schweizer wurde.

Als er 1978 auf Weltcup-Ebene in die Trainer-Crew aufstieg, wurde er mit dem Problem konfrontiert, dass die Schweizer im Slalom nichts zustande brachten. Weil diese Disziplin nicht der Mentalität entspreche, hiess es im Verband. «Weil sie zu faul sind», habe er erwidert und damit den damaligen Verbandsdirektor Adolf Ogi auf die Palme gebracht. Mit dem Slalom-Assistenztrainer Frehsner gewannen Martial Donnet und Peter Lüscher in der Folgesaison gleich zwei Weltcup-Slaloms.

Konsequenz, Planung, Vision

Wie ein Trainer Spitzensportlern zu grossen Erfolgen verhelfen kann, darüber lässt sich mit Frehsner noch heute ausschweifend diskutieren. Konsequenz, Planung, Vision sind dabei wichtige Stichworte. Aber: «Du darfst nur planen, was realisierbar ist», sagt er. Und: «Am Schluss muss der Athlet überzeugt sein, dass alles nur sein Verdienst ist.» Und schliesslich: Wer die Fähigkeiten für Grosses habe, müsse auch daran zu glauben.

Franz Heinzer ist sein Beispiel dafür: Nach drei 4. Plätzen in WM-Abfahrten wurde er 1989 wegen zwei Hundertstelsekunden in den internen Ausscheidungen zum Ersatzmann degradiert. Darauf musste Frehsner den niedergeschlagenen Schwyzer vom Rücktritt abhalten, ihn von seinen Qualitäten überzeugen. Zwei Jahre später wurde Heinzer Abfahrts-Weltmeister.

Frehsners Welt ist heute noch der alpine Skirennsport. Er ist im Mandat für Swiss Ski dafür verantwortlich, dass die Schweizer im Bereich der Rennanzüge konkurrenzfähig sind, weshalb er alljährlich Flugreisen nach Japan zum Hersteller Descente unternimmt. Er wolle aber auch sonst wissen, was läuft, sagt er, besucht immer noch zahlreiche Weltcup-Rennen, aber auch Sommertrainings. Seine Erfahrung als Berater war in den letzten Jahren von Slowenen, Kanadiern und von Lara Gut gefragt.

1993 trat er nach zwei Jahren als FIS-Renndirektor zurück, weil er die Gefahr kommen sah, sich nach jedem Unfall mit Folgen einem Prozess auszusetzen. Korrektheit und Unabhängigkeit waren ihm stets wichtig, weshalb er jeweils auch Klauseln ablehnte, laut denen er Medaillen- oder Punkteprämien erhalten hätte. «Fehlte noch, dass ich mich bei einem Fahrer bedanken muss, weil er schnell gefahren ist», brummte er seinerzeit.

Die Welt der Formel 1

1993 bis 1997 traute er sich in die ganz andere Welt des Formel-1-Rennsports. Er wurde im Team Sauber zum Fitnesscoach, der auch strategisch mitzureden hatte. Der Deutsche Heinz-Harald Frentzen und der Österreicher Karl Wendlinger waren die Sauber-Fahrer jener Zeit. Wendlinger verunfallte bald sehr schwer, Frentzen erreichte in Monza den ersten Podestplatz der Karriere – nachdem er sich anfänglich gegen Frehsner gestellt hatte. «Er sagte zu allem, was von mir kam, nein», erinnert sich Frehsner, den es ganz besonders reizte, diese Wand zu durchbrechen.

Ähnliches erlebte er danach als Trainer der österreichischen Abfahrerinnen, die ihn mit viel Skepsis empfingen – allen voran Renate Götschl, die danach Erfolgreichste des Teams.

Karl Frehsner, der kaum eine Fremdsprache spricht, aber über ein Beziehungsnetz verfügt, das einem Who’s who des Weltsports entspricht, dessen Werdegang ausserhalb des Gewöhnlichen verlief, hat für seine Vitalität auch mit 80 eine fast banale Erklärung: «Regelmässig Sport treiben, vernünftig leben, essen und trinken.» Beim Sport aber merke er schon, dass er älter werde: Mehr als 80 Kilometer im Tag schaffe er auf dem Rennrad nicht mehr.

Aus dem NZZ-E-Paper vom 13.06.2019


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Stäfel Kari unter den 8 schönsten Skihütten

NACHRUF
Skipionier beidseits des Äquators
Der Vater des Skisports in Neuseeland: Walter W. Haensli in den fünfziger Jahren.

Von Urs Tremp 

Werbung für die über 50 Jahre alte Erfindung machte Walter Haensli bis ins höchstes Alter. In markantem Bündnerdeutsch erklärte er der Urenkelgeneration noch 2014 in einem Werbespot: «Das waren Zeiten, als ich in den fünfziger Jahren Howard Head getroffen habe und wir anfingen, den Skisport zu revolutionieren.»

Das ist nicht einmal übertrieben. Die Zusammenarbeit des amerikanischen Ingenieurs mit dem Schweizer Skisportler machte die Ski der Marke Head in kürzester Zeit zur Weltmarke. «Howard hat getüftelt, ich habe getestet», sagte Haensli zu ihrer Zusammenarbeit.

Als Walter Haensli 1921 in Klosters geboren wird, stecken Skisport und Skitourismus noch in den Kinderschuhen. Der Vater ist zwar begeistert vom Skifahren, dass damit aber Geld zu verdienen ist, mag er nicht recht glauben. Der Sohn soll Maler werden und den familieneigenen Betrieb übernehmen. Glückliche Zufälle kommen dem skibegeisterten jungen Haensli (Dritter am Lauberhorn) zugute, so dass er – noch nicht dreissig – den Skisport zum Beruf machen kann. Auf Vermittlung von Ernst Gertsch, dem Gründer des Lauberhornrennens, wird Walter Haensli kurz vor den Olympischen Winterspielen in St. Moritz 1948 Trainer der amerikanischen Skifrauen. Gretchen Fraser gewinnt eine Gold- und eine Silbermedaille – und Haensli wird offiziell und mit festem Salär Trainer und Nachwuchsförderer in den USA. Die Hollywood- und andere Prominenz nimmt bei ihm Skiunterricht. Ein Dankesschreiben des späteren US-Präsidenten Gerald Ford hängt bis zum Lebensende in Haenslis Büro.

Als der neuseeländische Unternehmer Bryan Todd Haensli fragt, ob er nicht in Neuseeland dem Skisport auf die Beine helfen könne, stellt der Schweizer Skilehrer eine einfache Überlegung an: Wenn in den USA Sommer ist, ist in Neuseeland Winter – und umgekehrt. Einem Engagement auch jenseits des Äquators steht also nichts im Weg.

Todd hat das Geld, Haensli das Know-how: Mitte der fünfziger Jahre richtet Neuseeland im Ruapehu-Gebiet die erste Skiarena ein. Bis heute findet dort alljährlich der Haensli-Cup statt. Der Bündner gilt in Neuseeland als Vater des einheimischen Skisports.

Schicksalhaft indes wird in den fünfziger Jahren eine Begegnung in den USA. Der Flugzeugingenieur Howard Head hat zwar nur wenig Ahnung vom Skifahren. Aber ihn dünkt nach ein paar Versuchen, dass die üblichen Holzbretter viel zu sperrig sind, um elegant die Pisten hinunterzukurven. Haensli soll sein Testpilot werden.

Schritt für Schritt entwickeln die beiden den Head-Ski in der sogenannten «Metall-Sandwich-Bauweise». Der Name des Tüftlers «mit zwei linken Füssen» (Head über Head) wird in der Skiwelt zum Begriff.

Geld hat Head noch keines. Aber er entschädigt Haensli mit der Generalvertretung für die Ski in Europa. Ein guter Lohn: In Klosters beschäftigt Head Europa in der Folge bis zu 50 Personen. Zwar kann der Bündner nicht alle Funktionäre und Sportler in der Schweiz vom amerikanischen Ski überzeugen. Aber mit Titelgewinnen an nationalen und internationalen Wettbewerben steigt das Renommee der Marke. Und der Weltenbummler Haensli trägt den Namen Klosters in die Welt hinaus. Nicht zuletzt ihm ist zu verdanken, dass der Ort im Bündnerland zur Destination der Prominenz aus Showbusiness und Gesellschaft wird.

Auf der Piste steht Walter Haensli bis Mitte achtzig. Dann setzt ein Sturz der langen Skikarriere ein abruptes Ende. Trotz dem fortgeschrittenen Alter ein herber Schlag für ihn: «Ich vermisse das Skifahren wahnsinnig», sagt er noch einige Jahre später in einem Zeitungsinterview.

Kein Wunder bei einem, der einst als einer der verwegensten Rennfahrer der Schweiz galt. 1944 war in der NZZ in der Berichterstattung über ein Rennen auf der Lenzerheide zu lesen: «Die wenigsten Teilnehmer nahmen die oberen Hänge in der direkten Linie. Einzig Walter Haensli, Gian Gross und Hans Georges Künzli fuhren im Schuss.»

Stöckli in den USA angekommen

peg. Das, was Stöckli-Brand-Manager Walter Reusser in einem Interview mit skionline.ch (Februar 2014) angekündigt hat, ist jetzt Tatsache: die Schweizer Skimarke ist im US-Skipool und damit ein offizieller Ausrüster des US-Skiteams.

Wie das "Ski Racing Magazin" mitteilt, gehört die Marke Stöckli jetzt dem US-Skipool an. Der Skirennsport floriere in den USA und deshalb sei es möglich, weitere Skimarken in den Pool aufnehmen zu können, sagt Michael Jacquet, Marketingchef des US-Verbandes. George Couperthwait, Generalmanager für Stöckli in den USA, freut sich über die neue Beziehung zum US-Skiteam. "Dieser Schritt ist entscheidend für unser Engagement auf dem US-Skimarkt und wir freuen uns darauf, amerikanische Rennfahrerinnen und Rennfahrer mit unserem Material ausrüsten zu können."

Interview mit Stöckli-Brand-Manager Walter Reusser vom 19. Februar 2014

Karl Frehsner

 

Si. Swiss Olympic würdigte im Rahmen der Trainertagung den 74-jährigen, noch aktiven Karl Frehsner für sein Lebenswerk. Sein Palmarès mit mehr als 50 Medaillen spreche für sich, sagte Ralph Stöckli, Leiter Leistungssport. Die weiteren Trainer des Jahres: Markus Segessenmann (Biathlon), Thomas Berger (Unihockey), Paul Odermatt (Rollstuhlsport).




Hanspeter Streule